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Georg Karl Pfahler
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Georg Karl Pfahler (geb. 1926)
| 1950-1954 |
Studium an der Kunstakademie
Stuttgart |
| 1956 |
Gründungsmitglied der "Gruppe
11" (zusammen mit
Günther C. Kirchberger, Attila Biró und Friedrich Sieber |
| 1959 |
Abwendung von Informel, die ersten
"formativen" Arbeiten entstehen |
| 1970 |
Deutscher Beitrag XXXV. Biennale di
Venezia |
| 1972 |
Preis der National-Galerie Breslau |
| 1981 |
Deutscher Beitrag XVI. Biennale Sao
Paulo
Gastprofessur an der Helwan Universität in Kairo |
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Ohne Titel 1959, Öl auf Leinwand
125 x 90 cm |
Die Architektonik der Farbe und ihr Kommunikationspotential
"Malerei und Architekturmodelle", der Titel dieser
Ausstellung mag zunächst etwas überraschen, stellen wir uns unter Architektur doch
gewöhnlich etwas vor, das in einem bestimmten, gattungsmäßigen Kontrast zur Malerei
steht, und das gerade in unseren Tagen oftmals sehr unvermittelt neben dieser existiert.
Für den Maler und "Formdenker" Georg Karl Pfahler hat diese Trennung so
nie bestanden. Schon sehr früh sind in seinem Werk Probleme der Raumschichtung und
Formbildung zu finden, deren Grundtendenz man geradezu mit "architektonisch"
bezeichnen könnte. So weisen bereits seine informellen Arbeiten der 50er Jahre - bei
allem Ausdrucksdrang und aller Wildheit der Farbe - ein außergewöhnlich hohes Maß an
innerer Festigkeit und formaler Struktur auf.
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O.T, (Collage), 1959/60,
62,5 x 45 cm |
Diese Entwicklung findet ihren Höhepunkt in den Werken der sogenannten
"formativen" Schaffensphase ab 1959/60. Ein neues Bild-Konzept ist geboren: Die
Architektonik der Farbe jenseits des traditionellen Perspektivraumes und jenseits aller
graphisch-geometrischen Konstruktion.
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Espan Nr 22, 1975,
200 x 200 cm |
Pfahler ist sich der Radikalität und der Bedeutung dieses Neuansatzes voll
bewußt. Viele seiner formativen Arbeiten wirken in ihrer archaischen Kraft wie die
Hünengräben der alten, illusionistischen Malerei. Kaum ein zweiter europäischer
Künstler vermochte seinen Bildformen solche Eigenbedeutsamkeit und solches Gewicht zu
geben. Mit ihrer raumschaffenden Mächtigkeit wirkten diese immer entschiedener über die
Begrenzung der Leinwand hinaus.
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S-VGB, 1968/70,
200 x 200 cm |
So war es nur noch ein kleiner Schritt vom neudefinierten Bildraum in den realen,
architektonischen Raum. Ab Mitte der 60er Jahre entstehen erste
"Farbraumobjekte", ihr berühmtester Vertreter dürfte zweifellos jene begehbare
Farb-Architektur sein, die Pfahler 1970 auf XXXV. Biennale in Venedig realisiert. In der
Tradition dieser frühen Objekte stehen nun die "Palaverhäuser" der 90er Jahre,
deren Modelle eingangs - etwas provokant - als "Architekturmodelle" vorgestellt
wurden. Dies geschah nicht ohne Recht, denn sie sind in der Tat aus Farbe
"gebaute" Modelle von Architektur im allgemeinen, ihres Stehens und Lastens,
ihres Entspannens und Öffnens von Raum. Aber auch Modelle dafür, was Architektur als
künstlerisch-visuelle Kommunikationsform leisten kann: das Definieren und Gestalten von
öffentlichem Begegnungs- und Kommunikationsraum.
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Colom-BAM Nr.III, 1994,
200 x 200 cm |
Daß dies funktionieren kann, bestätigen die bereits realisierten Palaverhäuser
(zuletzt eines in Dresden) eindrucksvoll. Dieser sozial-ästhetische Aspekt des
Kunstwerkes war für Pfahler stets bedeutsam, was nicht zuletzt daran liegen mag, daß er
bereits in den 50er Jahren mit Max Bense und dessen informationsästhetischen Ansätzen in
Berührung gekommen war.
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Floridella (M), Nr. IX, 1990,
160 x 160 cm |
In letzter Zeit wirken diese sozialen Kommunikationsarchitekturen nun ihrerseits
stark auf sein malerisches Schaffen zurück, und man kann gespannt sein, welche neuen
Impulse daraus in den nächsten Jahren noch "wachsen" werden.
Stephan Geiger
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